"Die Arbeit, die man sich selbst vorgenommen hat, ist nie unmöglich."
(Sprichwort der Gikuyu)
Januar im Hoffnungsjahr 2010
Der erste Monat in einem neuen Jahr bringt oft hoch motivierte Menschen, die mit neuen Vorsätzen und guten Projektideen Veränderungen erreichen wollen, mit sich. Doch gerade das noch frische Jahr 2010 provoziert hier in Südafrika eine Menge Hoffnungen, aber auch Herausforderungen. Abgesehen von den überall sichtbaren letzten World Cup Vorbereitungen habe ich in den letzten Wochen viele dieser Herausforderungen erfahren dürfen.
Nach einer entspannten Auszeit gegeben durch meine Ferien im Dezember ging unser Peer Leader Projekt in Winterveldt in die zweite Runde. Der Jahreswechsel hat auch einen extremen Wechsel der Beteiligten erfordert, da einige der aktiven Mitglieder vom letzten Jahr auf Grund von Studien- oder Jobmöglichkeiten das freiwillige Engagement zurückstellen mussten. Damit einhergehend haben wir auch unser Konzept ein wenig überarbeitet und uns neue Schwerpunkte gelegt.
Ziel für die kommenden drei Monate soll sein, dass wir mit dem Bau unseres geplanten Jugendzentrums beginnen können. Das Jugendzentrum soll eine kleine Kulturstätte, eine Oase in Winterveldt werden. Jugendliche sollen einen Ort haben, an dem sie sich austauschen können, sich künstlerisch betätigen, gemeinsamen Aktivitäten nachgehen und musizieren können. Auch unser Peer Leader Projekt soll aus dem bisherigen „Wohnzimmer“ ausziehen und dort weiter arbeiten können. Gleiches gilt für das Training des Golden Youth Club. Letzteres hat aber auch noch andere Gründe. Die Stadt City of Tshwane plant eine Umgestaltung der sogenannten „unformal settlements“. Somit werden Häuser, die seit Jahren Familien in den Townships und Villages ein Zuhause gegeben haben durch RTP Häuschen ausgetauscht. Diese sind zwar mit Strom und Wasser versorgt, bieten für deutsche Verhältnisse aber nur Platz für höchstens 2 Menschen. In der Familie, in der ich in Winterveldt bin, leben teilweise an die 10-20 Personen. So ist der Plan, wenn das Städteplanungsprojekt unseren Distrikt erreicht, mit dem Jugendzentrum einen Ort zu haben, wo außerdem einige der kids vom Golden Youth Club schlafen können.
Ein großes Projekt, welches viel Schreibarbeit fordert und über viele Bürotische gehen muss. Seit Anfang Januar organisierten wir viele Treffen mit einflussreichen Personen, die uns immer wieder an wichtige und hilfreiche Persönlichkeiten weitergeleitet haben. Es geht also voran.
Auch soll das Projekt von Deutschland aus finanziell unterstützt werden.
Zum Jahresbeginn startete in Südafrika auch das neue Schuljahr. Für einige schien der Weg zurück in ihre Klassen zunächst versperrt, denn durch das Fehlen im letzten Schuljahr, gegeben durch die Deutschlandtournee des Golden Youth Club, wollten zwei Direktoren ihre Schüler Lisana und Fransina nicht zulassen.
Ich konnte nicht begreifen , wieso ein Schuldirektor nicht den Hintergrund der Tournee und deren Vorteile erkennen wollte. Es entstand die Idee, dass es von Vorteil sein könnte, wenn ich als Weiße mitgehen und erklären würde, warum genau diese Mädchen wichtig für die Auftritte seien. Bei Fransina reichte es, dass ich den auf Swana auswendig gelernten Satz „ich möchte dieses Mädchen wieder an der Schule registrieren“ aufsagte, um den Direktor zu erweichen.
Lisanas Rückkehr an die Schule war leider nicht mit einem Satz erledigt.
Genau zu dieser Zeit kam ein weiterer Freiwilliger aus Deutschland nach Winterveldt. Ulrich Kauert, der gerade sein Jura Studium beendet hatte, wollte für 3 Monate das südafrikanische Leben kennen lernen.
Gemeinsam besuchten wir mehrmals nacheinander die Schule und das des Departments of Education, bis uns der Direktor nach langem hin und her in sein Büro rief, um uns mit forscher Stimme zu unterrichten, dass er Lizzy zwar zurück an die Schule ließe jedoch ein besonders Auge auf sie werfen würde. Ein Erfolg , mit dem wir es zeitweise nicht zu rechnen gewagt hatten.
Da es uns zweimal gelungen war, durch unser Engagement Erfolge zu erzielen, dachte ich, ich könnte dabei helfen, einem Mädchen dabei zu helfen , ihr ein Visum für Deutschland innerhalb kurzer Zeit zu beschaffen. Sie wurde ausgewählt , um auf einer internationalen Peer Leader Konferenz ihr Land zu vertreten und sich mit deutschen und brasilianischen Jugendlichen über ihre Erfahrungen auszutauschen. Es verblieben noch fünf Tage bis zu ihrem Abflugtermin, als ich erfuhr, dass sie auf Grund eines fehlenden Dokuments, was beweisen sollte, dass ihre Mutter alleinerziehend ist, keinen Stempel in den Pass bekam. Zunächst konnte ich nicht glauben, dass die Bürokratie es verlangt, dass alle Südafrikaner ihre beiden Elternteile wissen müssen. In den letzten 6 Monaten habe ich gelernt, dass es ist leider keine Selbstverständlichkeit ist , den Namen des Vaters und auch manchmal den der Mutter zu kennen. Auch Zenolo kennt ihren Vater nicht und wurde das erste Mal so drastisch damit konfrontiert. Mit der Vorfreude auf eine Deutschlandreise im Bauch und der somit schmerzlichen Neuigkeit, dass sie wegen dieses Problems wahrscheinlich nicht fliegen werden könne, weinte sie in der deutschen Botschaft kräftig los. Zwei Tage später ging ich mit der Mutter der Minderjährigen zur Botschaft , um die Dringlichkeit der Ausstellung zu erklären und das Problem verstehen zu können. Nachdem uns die Dame erst sehr schnell abservieren wollte, ich aber nach einer Erklärung fragte, schilderte sie mir die rechtliche Lage und ich konnte diese Vorgehensweise letztendlich sogar befürworten. Manchmal ist es so schwer, Prozesse hier zu verstehen, da einem die nötigen Erklärungsweisen so oft vorenthalten werden. Erst nach unablässiger Fragerei kann man gelegentlich vieles eher nachvollziehen.
Neben dem Jugendzentrumsbauplan haben wir Anfang Januar eine Partnerschaft mit einer Primary School geschlossen. Ziel ist es, die im letzten Jahr erarbeiteten Themen Umwelt, Tourismus, Politik und Love Life Themen weiterzugeben. Doch wir mussten schnell umdisponieren und unser Programm an die“ needs“ der Schüler anpassen. Viele haben große Probleme ihre Hausaufgaben zu machen. Sei es, da die Eltern Analphabeten sind, die Mädchen zu viel im Haushalt helfen müssen oder die Schüler einfach nicht die nötige Förderung bekommen. So war unser Plan, eine bestimmte Gruppe von Schülern zu bekommen, um ihnen unsere Hilfe und Assistenz anzubieten.
Beim ersten verabredeten Termin, hatte ich die komplette eingeplante Zeit mit einen abwechslungsreichen Programm durchorganisiert.. Motiviert bin ich mit einigen der Peer Leader zu unserer Partnerschule gegangen und musste dort leider eine erste Enttäuschung erleben. Im Büro der Schuldirektorin verkündete man uns, dass die Schüler sich leider gesammelt für einen Sportcontest vorbereiten müssten. Für mein Verständnis wäre eine kurze Absage nicht zu viel verlangt gewesen, gerade da genau diese Direktorin so begeistert war von unseren Ideen.
So kommt es, dass man mit seiner deutschen Umgangsart so manches Mal enttäuscht wird, aber ich bin froh, dass ich so viel eigenen Gestaltungsfreiraum habe und meine Ideen oft einbringen kann. Da muss man dann leider auch einige Rückschläge einstecken können. Ich bin gespannt , wie unseren nächsten Schulstunden gestaltet und durchgeführt werden.
Wie die Zeit vergeht...
Nachdem ich viel zu lange gewartet, um mich für einen neuen Bericht hinzusetzen, raucht mein Kopf schon vor dem wirklichen Beginn vor Erlebnissen, die für diesen Bericht erwähnenswert wären.
Und doch werde ich mich erstmal nur auf die vergangen drei Wochen beschränken, die meinem afrikanischen Leben eine komplette Wendung gegeben haben.
Vor einem Monat ist eine Gruppe junger Südafrikaner von einer dreimonatigen Deutschland Tournee zurück in ihre Heimat Winterveldt gekommen. Der Golden Youth Club besteht seit 2001 und die ca. dreißigköpfige Jugendgruppe performend „african cultural art“ in City of Tshwane und auch auf internationalem Terrain. Ich habe schon vor meinem Abflug aus Deutschland viel von der taffen Gruppe gehört, da sie auch von meiner deutschen Organisation, dem Verein Mirantao eV., unterstützt werden und dort viele begeisterte Freunde haben.
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Zeitgleich mit meiner Ankunft in Südafrika hat die Gruppe unter der Leitung von Johannah Sesi Malangue ihre Tour quer durch Deutschland begonnen.
Ein paar Tage nach ihrer Rückkehr ins Township Winterveldt hat Johannah meine Host-Organisation Letsema kontaktiert, da sie uns Freiwilligen gerne kennen lernen wollte und uns ihre Projektidee, eine Winterveldt Peer Leader Gruppe aufzubauen, vorzustellen.
Nach kurzer Besprechung bin ich drei Tage nach unserem ersten Treffen für eine Woche nach Winterveldt gezogen, um die Jugendlichen kennenzulernen und mehr über die wagen bisher nur herumschwebenden Ideen zu erfahren.
Auch war ich neugierig auf das Leben im Township, welches sich wohl komplett von meinem bisherigen Leben im Studentenviertel Hatfield unterscheidet.
Ich wurde sofort sehr herzlich in die selbst gewählte Familie des Golden Youth Club aufgenommen und darf seitdem eine Zeit voller Herzlichkeit und Freundschaft erfahren.
Ich weiß nicht genau, wie viele Menschen in dem Haus wohnen, in dem ich zu Gast bin und in dem sowohl die Tänzer trainieren, als auch die „Peer Leader Arbeit“ begonnen hat. In meiner ersten Woche haben immer mindestens vier Leute in einem Zimmer geschlafen, es kam aber auch schon vor, dass wir uns zu zehnt einen Raum geteilt haben.
Da ich bisher immer nur erlebt habe, dass geplante Projekte eine Ewigkeit brauchen um letztendlich wirklich zu starten, war ich umso mehr überrascht, als wir nach unserem ersten Gründungs- und Besprechungsmeeting sofort mit der Arbeit begannen.
In Winterveldt arbeiten Jugendliche nun in kleinen Gruppen an Themen wie Politik, Umwelt, Tourismus und „Peer to Peer“. Ich engagiere mich in der letzt genannten Gruppe. Unser Interessenfeld zielt vor allem auf Recherchen über Kriminalität, HIV/AIDS und Teenagerschwangerschaften, Themen, die in Winterveldt an der Tagesordnung sind.
Es ist teils sehr erschütternd für mich, so nah an der dortigen Realität zu forschen und doch empfinde ich es als sehr wichtig, mich speziell mit diesen Themen in Afrika intensiver auseinander zu setzen.
Seit unserem Arbeitsbeginn vor drei Wochen, haben meine Gruppe und ich versucht, uns durch Recherchen und Interviews eine Grundlage aus Informationen zu schaffen, auf die wir später aufbauen können.
So besuchten wir in der ersten Woche eine Station der St.Peter Klinik in Winterveldt, die sich auf HIV/AIDS spezialisiert hat. Dort im „Hope for Life“ konnten wir einen Mann interviewen und genaueres über die Arbeitsmethoden der Station, aber auch über den HIV-Virus zu erfahren.
Ich hatte das Gefühl, wenn ich mich mit betroffenen Menschen auseinandersetze, müsse ich auch wissen, wie es sich anfühlt sich testen zu lassen. Da die Station „Hope for Life“ ebenfalls Bluttests durchführt, fragte ich die Mädchen meiner Gruppe, ob sie sich auch testen lassen würden. Zwei von dreien stimmten zu und so gingen wir nacheinander in das Arztzimmer der zuständigen Krankenschwester. Die Dritte versuchte sich mit den Worten „ich mach das nächstes Jahr“ raus zureden. Später log sie vor den anderen Peer Leadern sie habe sich testen lassen.....
Ich ging als letztes und mit dem Warten kam das Gefühl der Unsicherheit. Fragen wie, was ist, wenn das Ergebnis nicht dem entspricht, welches ich erwarte, was ist, wenn eines der Mädchen ein positives Ergebnis erhält usw. beherrschten mein Denken. Ich hatte sie schließlich dazu gebracht, sich testen zu lassen und für uns alle war es das erste Mal. Hier heißt ein Sprichwort „Wir sind alle positiv bis wir uns testen lassen und das Gegenteil herauskommt“... Auch war das „Wartezimmer“ eine Art Container voller Patienten, die ihre zum Teil sehr vollen Krankenakten in den Händen hielten.
Doch auch ich kam an die Reihe und ging in das mir zugewiesene Arztzimmer. Die Krankenschwester war sehr freundlich, aber auch ein bisschen überrascht, eine Weiße in ihrem Raum zu empfangen. Sie wollte erst nicht glauben, dass ich mich testen lassen wollte und erklärte mir zunächst alle Einzelheiten, die das Testen betreffen.
Ich hatte mir den Prozess komplizierter vorgestellt und war dementsprechend erleichtert. Auch das Verhalten der Krankenschwester fand meine Begeisterung. Sie handelte sehr bedacht und routiniert und so gab sie mir das Gefühl auch bei einem positiven Ergebnis in guten Händen zu sein. Schon nach 15 Minuten erhielt ich mein Ergebnis und wir gingen alle erleichtert zurück, um unsere Recherchen des Tages zusammen zu tragen.
Am folgenden Tag besuchten wir eine Lovelife Gruppe, in der auch Jasper, einer der beiden Freiwilligen, mit denen ich hierher gekommen bin, mitwirkt. Die Jugendlichen versuchen Themen wie HIV/AIDS, Gesundheit, Sexualität und Pubertät durch Sport und Spiele einander näher zu bringen und dadurch vor allem Jüngere aufzuklären.
Für mich war vor allem interessant, wie sich diese Gruppe hält und welche Schwerpunkte sie sich gesetzt haben. Unsere Fragen zielten aber hauptsächlich auf Teenagerschwangerschaften, die uns in Winterveldt ganz besonders häufig aufgefallen sind. Nach diesem Gespräch, welches mehr einer Diskussion unter Jugendlichen, als eines auf Fakten basierenden Interviews glich, entschlossen wir uns einen Fragebogen zu entwerfen und die jungen Mütter selber zu befragen. Innerhalb zweier Tage besuchten wir sieben junge Frauen, die im Alter von 15 bis 19 Jahren ein Kind zur Welt gebracht hatten oder es noch in sich tragen.
Es ergaben sich mehrere Herausforderungen, wie zum Beispiel, dass eines der Mädchen nicht in meiner Gegenwart befragt werden wollte, weil ich weiß bin. Auch waren einige der schwangeren Mädchen noch in der Schule und wir konnten sie erst später interviewen. Die Gespräche an sich waren für mich jedoch sehr interessant. Ich habe zuvor viel in Statistiken und Artikeln über das Thema gelesen und mich über die allgemeine Sicht auf das „Problem Mutterschaft Minderjähriger“ informiert. Umso aufbauender empfand ich es, dass ein Großteil der Mädels gut zurecht kommt, den Sex aus Liebe wollte und nicht an extremer Armut leidet. Klar bleibt der bittere Beigeschmack von ungeschütztem Sex in einem Gebiet, wo die HIV-Rate so hoch ist. Auch konnten einige der Mädchen die Schule nicht mit einem Abschluss beenden, doch haben mir die befragten Mädchen das Gefühl vermittelt, trotz der frühen Schwangerschaft glücklich zu sein und die meisten von ihnen scheinen auch Unterstützung von dem Vater des Kindes zu bekommen, was den Statistiken zufolge rar ist.
Das Sein in Winterveldt gibt mir das Gefühl ganz nah am afrikanischen Leben zu sein. Damit sollen auf keinen Fall nur die beschriebenen Themen wie Armut, Krankheit und Unwissenheit gemeint sein, nein, ich bin von so kulturellem Reichtum umgeben, darf soviel davon lernen und selber darin aufgehen wie seit langem nicht mehr. Ohne Frage gibt es viele Probleme, aber die Menschen hier wissen, damit umzugehen. Es gibt viele Projekte, deren Inhalte sind die Leute dazu zu bringen, sexuelle Enthaltung zu leben oder Kondome zu benutzen, um die Ausbreitung des Virus zu vermindern, es gibt unzählige Programme, die Jugendliche dazu motivieren, sich als Freiwillige zu melden und für die Community zu arbeiten und nicht aus lauter Langeweile beginnen zu stehlen und und und. Diejenigen, die das nicht wahr nehmen stellen sich wohl selbst ein Bein...
Ich persönlich habe das Gefühl, nach längerem Suchen meine Nische gefunden zu haben, in der ich sowohl sehr viel lernen darf als auch viele meiner Kenntnisse und Ideen einbringen kann. Einziges Problem ist der Transport von meinem Wohnsitz in Hatfield zu den Peerleadern in Winterveldt . Zwar bin ich ein begeisterter Minibusfahrer geworden, doch erfordert diese Strecke sowohl viel Zeit, als auch Transportkosten. Unserer Planung nach scheint es aber eine gute Lösung zu sein, einmal in der Woche im Township zu nächtigen, um so Kosten zu sparen und auch das frühe Dunkelwerden außer acht lassen zu können. Außerdem kann ich dort das richtige „rural Afrika“ auch bei Nacht erleben und sehr viele Erfahrungen über das sehr differenzierte Townshipleben sammeln.
Nadia und ein Winterveldt -Geschichten und Geschehen
Seit meines Arbeitsbeginns in Winterveldt, haben sich einige lustige Ereignisse ergeben, die ich nicht vergessen und gerne teilen möchte!
Im Folgenden liste ich die Erklärungen auf, die die Leute finden, warum ein weißes Mädchen sich in ihrem Township herum treibt:
- Ich bin der Chef meiner Leute dort und schaue mir mal an, wie die da eigentlich leben. Somit bin ich sicher auch bereit andere anzustellen und fähig ihnen einen lukrativen Job zu verschaffen.
- Eine ältere Dame scheint mich sehr gut zu kennen, so sagt sie jedenfalls, sie berichtet, ich sei Alkoholikerin und mir sei in der Stadt das Geld ausgegangen. Jetzt bin ich in Winterveldt, um weiter zu trinken und das sei günstiger als in Pretoria. Diese Story wurde meinen Freunden erzählt, nachdem sie auf die Frage, was sie denn mit dieser Alkoholikerin wollen, etwas verwirrt reagierten. Ich kenne diese erzählfreudige Dame bisher noch nicht!
- Ich komme nach Winterveldt um Waren zu verkaufen.
Auf dem Weg von der Stadt nach Winterveldt habe ich einer älteren Obsthändlerin geholfen, ihre gerade erworbenen Früchte aus dem Taxi zu laden. Verwirrt aber dankbar hat sie mir daraufhin ein paar Bananen, einen Apfel und eine mir unbekannte Frucht geschenkt. Als ich dann den holprigen Weg von der Straße zum Haus meiner Winterveldter Familie folgte, mit den Früchten in der Hand, wurde ich eben als Verkäuferin gehalten.....
.......eine Weiße, die aus Interesse, auf Grund ihrer Freiwilligenarbeit oder einfach nur zu Besuch kommt, ist halt unvorstellbar! Traurig aber wahr...
Ausflüge und Arbeitsleben
In meinem neuen Lieblingscafé sitzend, versuche ich die Ereignisse der letzten Wochen zusammenzufassen. Vor lauter Unternehmungen bin ich lange nicht dazu gekommen, weiterzuschreiben. Nach der „Lobola negotiation“ habe ich ein Wochenende später wieder die Chance erhalten, an einer richtigen „white wedding“ eines Zulu Brautpaares teilzunehmen.
Spannender für mich waren jedoch nicht die Hochzeitsfeierlichkeiten, sondern die Reise dorthin. Dank meiner Freunde konnte ich mich mal in einer anderen Provinz umsehen. Von meiner Heimat Gauteng ging es in die Mpumalanga Provinz. Das kleine Auto meiner Freundin Sne war voll besetzt mit fein geschmückten jungen afrikanischen Damen und mir. Sne schien es eilig zu haben,die Braut zu sehen, denn sie brauste mit 150 Sachen über den Highway. Erlaubte Höchstgeschwindigkeit in Südafrika sind 120 km\h. Auch die Polizei fand, dass dies ein Grund sei ,den Wagen zu stoppen und die Fahrerin zur Rede zur stellen. Ich verstand nicht recht, als die anderen drei Mädels plötzlich Sne zum Polizeiauto folgten. Um das Geschehen mit zu verfolgen, stieg ich auch aus und bekam gerade noch mit, wie sich meine Mitfahrerinnen in einer Reihe aufstellten und dem Polizisten anboten, sich eine von ihnen auszusuchen. Sekunden später war der Polizist in Besitz einer neuen Handynummer und wir ohne Bezahlung weiter auf unserem Weg zur Mpumalanga Provinz. Also, meine Damen aufgepasst: So kanns gehen...
Vor Beginn der Fahrt wurde mir gesagt, dass wir ca. zwei Stunden unterwegs sein würden. Nach vier Stunden waren wir immer noch nicht an unserem Ziel. Trotzdem empfand ich die kleine Reise als angenehmen und abwechslungsreichen Ausflug , bei dem ich endlich mal das ländliche Afrika kennenlernen durfte. Die Feierlichkeiten an sich fanden auf Zulu statt, somit konnte ich den stundenlangen Reden eher schwer folgen. Nach dem Essen ging es für uns dann wieder auf die Heimfahrt.
Neben den freudigen Dingen in meinem Leben hier habe ich jedoch auch einige Erlebnisse gehabt, die mich auf anderer Ebene bewegen. So habe ich letzte Woche mein erstes Kind im Home of Hope angenommen. Gegen Feierabendzeit kamen zwei junge Männer auf den Hof. Einer von ihnen hatte die kleine Nomsa auf dem Arm, deren Leben von nun an erst einmal im „NewBeginningz“ in Laudium weitergehen wird. Die zwei Männer waren Freunde des Vaters von Nomsa. Er und die Mutter des Kindes können oder wollen nicht mehr für die Kleine sorgen. Nach drei Tagen ohne Wiederkehr der Eltern wusste er sich nicht mehr zu helfen und hat Martha um die Aufnahme von Nomsa gebeten. Mir war es absolut nicht klar, dass so viel zu beachten ist und so viele Formalitäten einhergehen. Zunächst sind wir gemeinsam zur Polizeistation in Sunnyside gelaufen, um zu melden, dass Nomsa nun in einem Heim untergebracht wird. Martha erklärte mir, dass sie als Heimleiterin sonst verklagt werden kann, dass Kind gegen den Willen der Eltern aufzunehmen. Ein ganz schöner Schock für mich!
Während einer der Männer das Formular ausfüllte, war die 1 1\2 jährige aus Simbabwe stammende Nomsa auf meinem Arm und schien unpassend der Situation sehr vergnüglich. Ich dagegen hätte mir am liebsten die Nase zugehalten. Nicht nur ihre Kleidung, sondern das ganze kleine Kind stank unglaublich nach Dreck. Den ganzen restlichen Tag hatte ich diesen Geruch in der Nase und auch nach einer langen Dusche fühlte ich mich dreckig. Am liebsten hätte ich die Süße mit zu mir genommen. Mein Arbeitsfeld hat sich nun erweitert. Ich habe mich entschieden, zwei Mal die Woche in eine Vorschule und in ein Babydaycarecenter zu gehen und dort mitzuhelfen. Das Ganze wird von der großen Organisation SAVF geleitet. Bisher konnte ich vier Klassen dort kennen lernen. An meinem ersten Tag habe ich in einer Klasse mitgeholfen, in der 4-jährige aktive Kinder untergebracht sind. Die Gruppe ist die größte der ganzen Schule und umfasst 42 Vorschüler. An diesem Tag sollten keine fünf Minuten vergehen, in denen nicht mindestens vier Kinder auf mir herum turnten, mich von A nach B scheuchten oder einfach meine so weichen Haare betasten wollten. Teacher Sarah hatte die Meute erstaunlich gut unter Kontrolle. Die nächsten zwei Male lernte ich die Babyklassen kennen. Dort sieht der Tagesablauf vor allem so aus, dass die Babys zu füttern und wickeln sind und sie anschließend zum Einschlafen zu bewegen.
In einer Klasse sind diejenigen, die bereits krabbeln und laufen können, in der anderen die, die das eben noch nicht können. Nach mehreren" Futtereinheiten" hatte ich festgestellt, dass ich in Zukunft bevorzugt die dickeren Kinder füttern werde. Denn da weiß ich, dass sie das Essen friedlich genießen und mich hinterher nicht wie die Dünneren mit ihrem Essen vollspucken... Letztendlich verbrachte ich einen Tag mit den ältesten Kindern der Vorschule, den stolzen 6-jährigen. Ihr Klassenraum ist voller Schätze, die die Kinder spielerisch lernend auf den Grate 1 vorbereiten soll. Hier wurde auch fleißig gelernt und nicht nur gespielt und gegessen wie in den Babyklassen. Doch auch in der Spielzeit heißt es für die Teacher nicht Kaffepause machen, denn die Jungs und Mädels haben allerlei zu petzen und ganz viel Grund sich über ihre Kameraden zu beschweren. Darum ist eine große Tüte Mitleid und viel Ausdauer im "streng sein "erforderlich, um die Klasse zu unterrichten. Auch hier war ich ein beliebtes Klettergerüst und Tröstezwerg ;) in einer Person..
Seit meinem letzten Artikel bin ich auch ein Jahr älter geworden. Mein Geburtstag fühlte sich zwar nicht nach Geburtstag an, aber ich verbrachte wundervolle vier Tage in und um Pretoria. Unglaublich fand ich es, am 8. Oktober abends im Pool unter Sternenhimmel und Palmen mit Freunden meinen 20 Geburtstag.zu feiern und später bei afrikanischen Gitarren- und Trommelklängen im T-Shirt zu grillen. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich meinen Geburtstag öfters in Wolldecken gehüllt verbracht, ohne überhaupt an T-Shirt Wetter zu denken. Ich habe es genossen. Am folgenden Wochenende habe ich mich mit drei weiteren Deutschen auf den Weg nach Johannesburg begeben, um die Stadt zu erkunden und hinaus zukommen aus der nun bekannten Umgebung. So sind wir früh morgens mit dem Taxi aufgebrochen, um eine dreiviertel Stunde später mitten in Hillbrow "rausgeschmissen" zu werden. Es ist schon ein komisches Gefühl zu wissen, dass man sich am zweitgefährlichsten Ort der Welt aufhält. Doch nach der ersten Skepsis haben wir uns schnell orientiert und uns in Richtung Künstlerviertel Newtown begeben. Dort war ich genau in meinem Element. Viele kleine afrikanische Märkte belebten die Höfe, niedlich gestaltete Läden boten ihre Produkte an und Streetart verzierte die Häuserwände und Gehwege. Die Vorstellung, dass wenige Blocks weiter das hektische unsichere Hillbrowleben stattfand, schien schier unmöglich. Einen weiteren extremen Kontrast stellt die Nelson Mandela Maal im neureichen Sandton dar. Denn auch diesen Stadtteil ließen wir uns auf unserem Wochenendtrip nicht entgehen. Hier scheint sich das Schicki-micki Leben Jo'burgs abzuspielen. Alleine die Tiefgarage voller Porsches, Jaguare und anderen Luxusautos ließ erahnen, welches Publikum sich in dem Konsumpalast aufhielt. Ich fand es interessant zu entdecken, dass Johannesburg wirklich eine so kontrastreiche Stadt ist. Auf der einen Seite diese hohe Kriminalitätsrate und auf der anderen Seite doch so viele kulturelle Einrichtungen, die die Stadt interessant machen. Und doch waren wir alle froh, als uns unser Taxi wieder in Tshwane absetzte.
der Brautpreis
Lobola negotiation
Was für ein Tag!
Als ich am heutigen Sonntag vom Baustellenlärm der Zughaltestelle geweckt wurde, wusste ich nicht was hinter der Einladung steht, die Jasper durch seine Gastfamilie für den heutigen Tag ausgesprochen hat. Er selber wusste auch nur, dass es um Übergabe des Brautpreises ging, da seine große „host-sister“ sich entschieden hat zu heiraten.
Mit dem Aufwachen kam eine Nachricht auf mein Handy geflattert, die mir sagte, dass meine beiden Mitstreiter schon seit einer halben Stunde auf dem Weg nach Mabopane, dem Township, in dem die Feierlichkeiten stattfinden sollten, seien.
Das sollte für mich bedeuten, dass ich mich alleine mit den öffentlichen Minibussen auf die ca. dreiviertelstündigen Fahrt machen musste.
Ich entschied mich mir noch etwas Zeit zu lassen und brach in den Mittagsstunden von Hatfield aus auf.
Schon die Fahrt machte mir große Freude, da ich sehr gespannt auf das Fest war und außerdem das echte Afrika erleben durfte. Denn nachdem ich mit dem ersten Taxi ins Zentrum gekommen war, musste ich mich eine Weile nach den Mabopane Taxis durchfragen. Als ich dann in das richtige Taxi stieg, dachte ich hiermit sei ich schon fast bei dem verabredeten Treffpunkt, dem Gefängniseingang von Mabopane angekommen. Townships sind in riesige Blocks eingeteilt. Jasper wohnt mit seiner Familie in Block U. Wenn man im Taxi aber nur Block U sagt, kann es sein, dass man am anderen Ende ankommt. Somit braucht es markante Erkennungspunkte, wie in diesem Fall das „odi prison“.
Die Fahrt stellte sich dann als interessantes kleines Abenteuer heraus.
Nach ca. 20 Minuten Fahrt, geriet der bis zur Decke volle Kleinbus in eine Polizeikontrolle und wurde zur Seite gewunken, ausgerechnet vom weißen „Obermacker“ der Einheit.
Er kontrollierte sehr penibel die Unterlagen des Fahrers, die Gott sei Dank vollständig und vorbildlich zu sein schienen. Daraufhin ließ er sich den Kofferraum und die Fächer unter den Sitzen zeigen und entließ uns dann endlich wieder auf unsere Fahrt.
10 Minuten später, merkte ich, dass ich mich getäuscht hatte, als ich dachte, dass ich jetzt in meinem Zieltaxi saß. Denn plötzlich hielt der Fahrer wieder am Straßenrand und es wurden ca. 5 Minuten lang die Mitfahrer munter unter drei Taxis hin und her getauscht. Ich wusste nun überhaupt nicht mehr, welches der Taxis mich nun zu meinem verabredeten „odi prison“ bringen sollte. Ich stieg aus um einen der Fahrer um Hilfe zu bitten. Der zeigte stumm auf eines der anderen Taxis und ich stieg ein. Man muss sich diese Taxifahrten als stets interessantes Erlebnis vorstellen. Einheimische Weiße nutzen hier nicht die öffentlichen Verkehrsmittel und somit werde ich immer eindringlich und neugierig betrachtet und fast immer angesprochen. So kommt es in den Taxis und Bussen meist zu den nettesten Begegnungen.
In dem neuen Taxi sagte mir nun eine der Mitfahrerinnen, dass keines der drei Taxis zum Gefängnis fahren würde. Eine andere beruhigte mich und sagte, sie werde dem Fahrer Bescheid sagen und da ich bisher immer an meinem gewünschten Ort angekommen war, setzte ich mich beruhigt auf den letzten freien Platz auf der Rückbank. Dieser Platz ist bei allen sehr unbeliebt, da es dort erstens extrem eng ist und außerdem die Boxen des Autos genau hinter einem sind. Das dies ein Makel ist, merkte ich als der Fahrer los fuhr und mir bei der eingestellten Musiklautstärke und harten Housemusikbässen fast die Ohren weg flogen. Er ließ nicht mit sich reden, die Lautstärke zu verändern und zog somit den Ärger der gesamten Mitfahrer auf sich. Durch Soshanguve, einem anderen Township, ging es schließlich nach Mabopane. Das Taxi wurde leerer und leerer und ich betrachtete die vorbei rauschenden Wellblechhütten und kleinen Häuser am Straßenrand.
Schließlich hielt das Taxi an einer Ecke und eine der Mitfahrerinnen gab mir ein Zeichen aus zu steigen. Diesem folgte ich, da ich auch den Zaun des Gefängnisses erkannte.
Doch ist auch das Gefängnisgelände sehr groß und ich realisierte, dass ich wieder nicht an meinem Zielort, dem Gefängniseingang, angekommen war. Die ausgestiegenen Mitfahrer regten sich tierisch über den unfreundlichen und unmöglichen Fahrer auf, der auch sie nicht bis zur verabredeten Stelle bringen wollte.
So kam ich zu dem vergnügen, in ein viertes Taxi umzusteigen und noch einmal 6 Rand zu bezahlen, um dann schließlich doch noch Jasper und Sebastian vor dem Eingang des odi prison anzutreffen. Vergnügt von den Erlebnissen meiner Fahrt, kam ich letztendlich sicher bei Jasper's Gastfamilie an.
Eigentlich hätte mir dieses kleine Abenteuer für den Tag schon gereicht, doch kam es noch besser.
Denn als ich das Grundstück der Thadli Familie betrat, konnte ich meinen Augen nicht trauen, als plötzlich zwei Kühe im Vorgarten des Hauses lagen. Nun begriff ich, dass die Familie auf den traditionellen Brautpreis bestanden hatten. Die Familie des Bräutigams muss an die Familie der Braut eine beachtliche Summe Geld und/oder Kühe bezahlen. Diese Tradition besteht in dem doch schon sehr westlichen Südafrika weiter fort. Der Preis hängt davon ab, ob die Tochter die Schule besucht hat, eine eigene Wohnung mit Einrichtung besitzt und und und. Dass das für uns total ungewohnt ist und auch unbegreiflich erscheint, können die Südafrikaner nicht verstehen. Es ist halt Tradition.
Bei den Feierlichkeiten handelte es sich also um die sogenannte „Lobola negotiation“, das Zeichen des Einverständnisses der Familien zur Hochzeit ihrer Kinder.
Heiraten ist in Südafrika nicht in ein oder zwei Tagen getan, es ist ein Prozess, der an die zwei Jahre dauern kann. Die gesamte Familie ist involviert und muss dem Brautpaar zustimmen. Jasper's Gastfamilie gehört den Sotho an. Zu deren Tradition gehört es, dass der Bräutigam zum Fest der Brautpreisübergabe nicht erscheinen darf. So lernte ich die Familie des Bräutigams kennen, doch ihn selber nicht.
Mama Thadli unterstützt eine Gruppe Jugendlicher, die traditionelle Tänze mit Trommeln und Stöckern einübt und bei Festlichkeiten und anderen Veranstaltungen vorzeigt. Mein Interesse an dieser Gruppe war sofort geweckt, als sie auch heute ihren Auftritt begannen. Später setze ich mich zu ihnen,um mehr über die Tänze und die Gruppe zu erfahren und erkannte plötzlich, dass es sich bei den Jugendlichen um keine anderen, als die Leute vom „Golden Youth Club“ handelte, von denen ich schon in Deutschland so viel gehört hatte und die ich unbedingt während meines Aufenthalts in Südafrika treffen wollte.
Dem „Golden Youth Club“ gehören 20 Jugendliche an, die auch im Kontakt mit meiner deutschen Organisation in Ostrhauderfehn, dem Verein Mirantao, stehen und ebenso unserem Partnerland und den Leuten in Brasilien bekannt sind. Witzigerweise tourt die zweite Hälfte des „Golden Youth Club“ zur Zeit in Deutschland herum und besucht auch die Peerleader unseres Nordpartners.
Ich empfehle euch, herauszufinden wo sich die Gruppe gerade aufhält und wenn möglich einer ihrer Aufführungen beizuwohnen. Die Crew ist klasse und zeigt viel von afrikanischer Kultur.
Die Frauen der Brautfamilie haben das Fest mit viel Arbeit und feinen Leckereien zu einer gelungenen „Lobola negotiation“ gemacht und ich glaube somit kann der Hochzeit im nächsten Jahr nichts mehr im Wege stehen.
So hoffe ich, dass wir uns dann noch in Südafrika aufhalten und auch miterleben dürfen, wie eine „white weeding“ der Sotho veranstaltet wird.
Bericht 15. September 2009
Heute vor vier Wochen bin in den Zug gestiegen und habe meine Liebsten langsam verschwinden sehen...
Genug Zeit ist also vergangen, um Eindrücke von Südafrika einzufangen und von mehreren Erlebnissen berichten zu können.Seit meinem letzten Bericht vor nun fast zwei Wochen ist also einiges geschehen, wovon es meiner Meinung nach zu berichten lohnt.
Aus der eigentlich geplanten einen Woche im Home of Hope ist nun mein fester Arbeitsplatz geworden. Hier soll in den nächsten Monaten meine Basis sein ,in der ich anfallende Arbeiten erledige oder von wo aus ich bei Bedarf in andere Projekte als Hilfe "einspringe".
Hier scheint es besonders wichtig zu sein, als Organisation zu anderen Projekten und Einrichtungen Partnerschaften zu bilden, um sich in jeder Situation helfen zu können und sich gegenseitig auszutauschen. So ist nun auch meine Homeorganisation "Letsema Center" in eine Partnerschaft mit dem Tshwane Home of Hope getreten und dies ermöglicht mir weiterhin jeden Tag mit dem Bus von Hatfield nach Sunnyside zu fahren, um hier tätig zu sein.
Eine weitere partnerschaftliche Verbindung hat mir letzte Woche genützt, um an einem Einführungsseminar der Tshwane Leadership Foundation (TLF) teilzunehmen. Diese Organisation umfasst ein unüberschaubar großes Arbeits- und Wirkungsfeld, welches sich erlauben kann, 14 Freiwillige aus Deutschland und den USA zu beschäftigen. Es gibt sowohl Projekte wie Obdachlosenheime, Mädchenheime, günstige Immobilien für Leute mit niedrigem Einkommen, eine Vorschule und einen Hort für Kinder am Nachmittag, als auch eine "School of creative Arts" (SOCA), wo jedermann kostenlos zum Musik machen oder Theaterspielen hinkommen kann. Für mich sollte das Seminar eine Orientierung sein, um besser über weitere Projekte in Pretoria Bescheid zu wissen und auch um tiefergreifendere Informationen über Land und Leute zu erhalten. Die zwei Tage waren sehr interessant und haben mir sehr viel Freude bereitet. Nun kenne ich auch alle anderen deutschen „weltwärts“ Freiwilligen, die in Pretoria wirken und aktiv sein wollen.
Im Zuge dieses Seminars wurden wir in kleinen Gruppen auf eine Rallye geschickt, um eine bessere Orientierung im Stadtkern von Tshwane zu bekommen.
Auf unserem Weg vom Burgerspark, einer unglaublich schönen mit Palmen geschmückten Grünanlage, zur nächsten Station auf unserem Arbeitsbogen, kamen wir an einer kleiner Näherei vorbei, deren Besitzerin wunderschöne selbst gemachte Kleider ausstellte.
Dies war wieder einer dieser Momente, in denen wir die Freundlichkeit der Südafrikaner erleben durften. Denn sofort als wir auch nur in die Nähe ihrer Werke kamen und unser Interesse kundtaten, lud sie uns in ihr Haus ein, um uns dort nicht nur ihre anderen traditionelle Kleidungstücke zu präsentieren, sondern uns gleich ihr ganzes wunderschönes Häuschen zu zeigen.-einen Ruhepol in der hektischen Innenstadt Pretorias.
Auch vom Home of Hope gibt es Neues zu berichten.
Meine kleine Freundin Daphney, der ich fast täglich bei ihren Hausaufgaben helfe, versucht nun immer herauszufinden, wie weit sie bei mir gehen kann. So muss ich stets auf der Hut sein, dass sie mich nicht austrickst und ruhig bleiben ,wenn sie meine Geduld auf die Probe stellt. Zum Beispiel schreibt sie bei der Bearbeitung ihrer Matheaufgaben falsche Antworten auf, obwohl sie zuvor die Richtige ausgesprochen hat. Wenn sie nun nach meiner Aufforderung ihr zuletzt geschriebenes wegradieren soll, kommt es vor, dass sie gleich auch die richtigen Lösungen der letzten 5 Aufgaben mit entfernt. Das Mädchen ist extrem clever und somit komme ich mit ihr gelegentlich an meine Grenzen, auch wenn ich ihre Spielchen nicht unterstütze und meistens auch schnell beenden kann.
Auch die anderen Heimbewohnerinnen haben sich an mich gewöhnt und mit einigen habe ich mich schon richtig anfreunden können. Auch Felix, der einzige hier lebende Junge mag mich inzwischen so gerne, dass ich mich stets auf spontane Kussversuche einstellen muss. Felix ist hier, da seine drei Schwestern auch hier wohnen und er somit bei ihnen sein kann. Nach seinem Sturz aus dem 5. Stock hat er aufgehört zu sprechen und es ist ein reines Wunder, dass er diesen Unfall überlebt hat. Nun verbringt er seine Tage mit selbstständigem Spielen auf dem Hof, wobei er mir immer allerlei interessante Dinge vorbeibringt. So war ich schon im kurzen Besitz mehrerer Schrauben und Schnüre, sowie Plastikbecher. Doch darf ich diese Schätze meist nur ein paar Minuten in den Händen halten, bis Felix wiederkommt , um sie abzuholen. Ich frage mich täglich, wieso er keinen Logopäden aufsuchen kann, um das Sprechen wieder
zu erlernen. Doch fehlen hier wieder einmal die finanziellen Mittel für eine professionelle Therapie.
Mit großer Freude kündigt sich nun auch das große Ereignis des kommenden Jahres an - die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika.
Ich freue mich besonders nachts darüber, wenn die Arbeiten an der Hauptzughaltestelle des Tshwaner Stadions in Hatfield mit ohrenbetäubendem Lärm die Nacht über andauern, um die Station irgendwie noch rechtzeitig fertigzustellen.
Gerade sitze ich als Chefsekretärin im Home of Hope und nehme Anrufe entgegen da sonst keiner hier ist. Die lokalen hier tätigen Freiwilligen haben diese Woche Fortbildungen und somit habe ich ein ganzes Büro für mich alleine und genieße die schon unbekannte Ruhe.
Frühlingsanfang in Südafrika
Während in Deutschland wohl gerade die ersten Blätter fallen, haben wir heute den Frühling begrüßt, denn am 1.September ist offiziell Frühlingsanfang am anderen Ende der Weltkugel.
Auch hatte der Tag etwas Frühlingshaftes und Neues für mich.
Ich arbeite diese Woche im Tshwane Home of Hope in Sunnyside und heute war mein erster Tag dort.
Diese Einrichtung ist eine Initiative des Ministers of Social Developement und gibt Mädchen, die aufgrund von Missbrauch, Vernachlässigung o.ä. nicht bei ihren Eltern bleiben können/wollen eine
Alternative zum Leben auf der Straße.
Zur Zeit leben 25 Mädchen in dem von 7 Leuten geleiteten Heim, die meisten von ihnen sind Freiwillige, die die Mädchen bewirten, ihnen bei Hausaufgaben helfen oder ihnen psychologische Unterstützung
geben.
Die Leiterin der Einrichtung ist eine aktive und sympathische Frau, die selber gerade ihr zweites Kind erwartet.
Auch das Ambiente im Home of Hope ist angenehm und ein Ort , in dem man sich wohl fühlen kann.
In der das Grundstück umzäunenden Mauer befindet sich eine sogenannte "Babywall", die verzweifelten Müttern einen Ausweg geben soll, ihr Kind nicht irgendwo zurückzulassen, gesetzt den Fall ,sie
können es nicht behalten.
Ich weiß zwar, dass in Deutschland an manchen Krankenhäusern eine "Babyklappe" zu finden ist, trotzdem hat mich ein befremdliches Gefühl überkommen , als man mir sagte, dass Mütter ihre Babys
wirklich hier "ablegen".
Zum Home of Hope gehört somit auch ein weiterer Ort, in dem Babys und Kleinkinder aufwachsen, die entweder Waisen sind oder von ihren Eltern weggeben wurden.
Dorthin sind wir heute gefahren, da die Leiterin um Hilfe gebeten hat. Im "New Beginningz" leben 15 Kinder im Alter von 0-5.
Als ich das Haus am anderen Ende Pretorias betreten habe, hat mich wieder die Freundlichkeit dieses Hauses überrascht. Für mich schienen Orte wie dieser in meinen Vorstellungen stets extrem trostlos
und bedrückend, was auf Grund des Hintergrundes wohl auch nicht ungewöhnlich ist.
Uns begrüßten mehrere fleißige Frauen, die gerade damit beschäftigt waren, Milchfläschchen für die Baby vorzubereiten. So sollte meine erste Aufgabe sein, die Kleinen zu füttern und ihnen die Flasche
zu halten.
Danach habe ich mich ins Kinderspielzimmer begeben und mit einer 5 jährigen fleißigen" Dame" gemeinsam eine Kiste mit Spielsachen entmüllt und sortiert, was den Übergang zu einem Spielevormittag mit
6 Kindern bilden sollte. Ich wollte mir die ganze Zeit nicht vorstellen, dass all diese kleinen und sehr niedlichen Kinder ohne Eltern aufwachsen müssen, aber wenn die eine oder der andere dann Mama
zu mir gesagt hat, musste ich ganz schön tief schlucken. Eines der Mädchen, ich schätze sie ist zwei, hat sich nach einer kurzen Fremdelphase den ganzen Vormittag an mein Bein geklammert und sofort
Alarm geschlagen, wenn eines der anderen Kinder anfing ,auf mir herumzuklettern. Sie schien ihren Anspruch auf mich verteidigen zu wollen.
Zurück in Sunnyside habe ich dann die Mädchen aus dem Home of Hope kennengelernt und gemeinsam mit ihnen Lunch verzehrt.
Am darauf folgenden Tag hat mich dann der Bus in die Nähe meines Arbeitsplatzes gebracht.
Nun sollte ich die Chance erhalten, einen Einblick in die Büroarbeit einer sozialen Einrichtung zu bekommen und begann die mühselige Arbeit, alle Spenden aus den Jahren 2008 und 2009 aus einem
"Schmierbuch" fein säuberlich mit Namen und Adresse der Spender in den Computer zu tippen. Somit konnte ich aber zum Einen die Spendenfreundlichkeit der Südafrikaner kennenlernen, zum Anderen mal
wieder die Schreibweisen verschiedener englischer Lebensmittel und Kleidungstücke wiederholen.
Am späten Vormittag hat sich dann ein kleiner Trupp von Freiwilligen mit dem heimeigenen Bulli und dem Kofferraum voller Kleidersäcke auf den Weg ins Mamelodi Township gemacht.
Wir besuchten einige Familien ,um ihnen unsere Spenden zu überreichen und unseren Besuch mit einer von ihnen gewollten "Fotosession" zu beenden.
Es war wieder erschreckend für mich, in welcher Armut manche Menschen leben müssen. Manchmal konnte ich die Armut richtig riechen.
Trotzdem bin ich so fröhlichen Menschen begegnet, die teilweise einen kleinen Freudentanz in ihren neuen Kleidern aufgeführt haben.
Es dauerte lange , bis unser Kofferraum geleert war und alle Kleidersäcke auf die verschiedenen Hütten aufgeteilt waren, doch dann machten wir uns auf den Rückweg in die Stadt, um dort eine kleine
Mittags- und Essenspause einzulegen. Kurz nach dem Essen hat mich eines der Mädchen, ich schätze die Jüngste von allen, schüchtern um Hilfe bei ihren Hausaufgaben gebeten. So kam ich dazu , meinen
Arbeitstag mit einer Runde Schulaufgaben abzurunden.
Meinen dritten Tag im Home of Hope verlebte ich dieses Mal ohne Ausflug ins Township oder andere Stadtteile Tshwanes*, da der Bulli uns mit technischen Problemen aufhielt und die bestellten
Mechaniker nicht erschienen.
Nachdem wir den Speiseraum mit neuen Gardinen verschönert hatten, haben afrikanische Freiwillige meines Alters versucht,mir einige Vokabeln und nützliche Sätze ihrer Sprache beizubringen. Am
Wichtigsten für mich wird in den nächsten Wochen wohl sein: "Ke bolela english fela" ( = ich spreche nur Englisch"). Im Gegenzug habe ich ihnen ein bisschen von meiner Heimat erzählt und ihnen die
deutsche Übersetzung von "kea go rata" (Ich liebe dich) verraten.
Vor einigen Tagen habe ich in unserer Wohnung Hühnerfüße im Kochtopf gefunden und mich gewaltig erschrocken. Die Mädels konnten sich vor Lachen gar nicht mehr halten, als ich ihnen davon berichtete
und schon musste ich bereuen, dass ich auch nur erwähnt hatte, dass mich alleine der Anblick schon angeekelt hat. Wenige Minuten später waren wir auf dem Weg zu einem Imbiss, bei
dem afrikanische Speisen verkauft werden. Ohne zu verraten, welche Köstlichkeit sich nun in den Tüten befand, waren wir schon auf dem Rückweg zum Heim, um nun den für mich nicht definierbaren
Inhalt des Kartons zu verspeisen. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich immer noch nicht genau , worum es sich bei den grünen nach fettigem Fleisch schmeckenden gummiartigen Stückchen handelt, was ich dann
zusammen mit dem üblichen Pap probiert habe. Ich weiß nur, dass es sich um ein Stück aus dem Magen einer Kuh handelt, was auf keiner Hochzeit als Spezialität fehlen darf. Na dann guten Appetit und
frohe Hochzeit :)...
Was in Deutschland fast als Selbstverständlichkeit gilt, muss hier noch lange nicht so sein. Dass musste ich realisieren, als mich eine der Heimbewohnerinnen fragte, ob ich ihr bei einer
Internetrecherche für die Schule behilflich sein könne, da sie nicht wisse, wie man im Internet etwas sucht. So bin ich gemeinsam mit ihr zum nächsten Internetcafe gelaufen ,um etwas über die
Funktion der Tide herauszufinden. Zwar habe ich versucht, ihr zu zeigen, auf welchen Internetseiten man Antworten auf solche Fragen bekommen kann, doch schien ihr dieses Medium so fremd, dass die
bezahlte halbe Stunde dafür nicht ausreichte.
Für morgen ist nun eine große Aktion geplant, bei der, wenn es gut geht, an die achtzig Leute teilnehmen werden. Wir werden alle gemeinsam auf der Straße schlafen, um herauszufinden, wie es sich
anfühlt, auf der Straße leben zu müssen. Der einzige Unterschied zum eigentlichen Straßenleben ist, dass die Aktion von der Polizei begleitet und beschützt wird.
Ich bin sehr gespannt!
Tshwane = Pretoria (= we are all the same)
Angekommen in City of Tshwane
Meine erste Woche in Südafrika liegt hinter mir und noch immer ist mir nicht
klar, dass noch viele weitere folgen werden. Noch fühle ich mich wie eine Urlauberin, die in ein paar Tagen zurück in die Heimat fliegen wird.
Trotz der wenigen bisher verstrichenen Tage hier in Pretoria/Tshwane habe
ich schon viele Leute kennen lernen dürfen und einiges erlebt.
Ich wohne in dem Studentenviertel Hetfield im Osten der Hauptstadt , wo ich
als Lekgowa (Tshwane: „Weiße“) gar nicht auffalle. Nachts und vor allem am
Wochenende sind in meiner Umgebung viele Studenten zu finden, die sich in
den vielen Bars vergnügen und den hier für Weiße typischen Drink „Coke with
Brandy“ einnehmen.
Befindet man sich in diesem Tumult von englisch sprechenden jungen Menschen, vergisst man fast, dass man sich nicht in Europa aufhält.
Dagegen kommen mir dann die Fahrten in den kleinen hupenden Minibussen sehr afrikanisch vor. Diese bringen die Mitfahrer zum gewünschten Ort und ersetzen unsere europäischen Taxis. Auch wenn sie
offiziell voll besetzt sind, hupen die Fahrer jeden am Straßenrand stehenden Menschen an und nehmen weiterhin Fahrgäste auf ihrer Tour auf. Bisher war ich auf meinen kleinen Touren immer die einzige
Weiße umgeben von beschäftigten Südafrikanern.
Meine „Hostsister“ Kedibone ist ebenso viel beschäftigt und sehr aktiv in
der lokalen Politik der ANC. Einmal durfte ich einem ihrer Meetings
beiwohnen, welches mit fünf fetzigen afrikanischen Liedern eingeleitet wurde.
Danach ging es, wie zur Zeit überall in der Politik, hauptsächlich um die
Weltwirtschaftskrise.
Durch meine außer Haus aktive Gastschwester bin ich größtenteils auf mich
allein gestellt und habe gemeinsam mit Sebastian, einem Freiwilligen aus
Emden, die Gegend erkundet. Doch am Sonntag hat Kedibone sich Zeit genommen und mir einiges vom afrikanischen Leben gezeigt.
Zunächst haben wir gemeinsam afrikanisch gekocht und ich durfte den
populären „Pup“ probieren. Er ähnelt mit ein bisschen Fantasie unserem
Kartoffelbrei.
Dazu gab es ein riesiges Stück gekochtes Fleisch und ein bisschen Gemüse und Salat. Zu meiner großen Freude haben wir unser zubereitetes Essen mit den Fingern verspeist und so konnte ich mir die
afrikanische Kultur richtig
durch den Magen gehen lassen.
Daraufhin haben wir uns auf den Weg in das nahe gelegene Mamelodi Township gemacht.
Mamelodi ist ein riesiges Township, so groß das man es nicht überblicken
kann.
Ich hatte das Glück, von einem dort wohnenden Südafrikaner herum geführt zu werden.
Wir alle kennen Townships von Bildern, aus Erzählungen oder Filmen, aber
diese Elendsviertel mit den eigenen Augen zu sehen, verschlägt einem die
Sprache und schnürt die Kehle zu.
Ich saß hinten im Auto und musste manchmal meine Augen schließen, um Bilder zu verarbeiten und wieder klare Gedanken fassen zu können. Doch konnte ich auch lernen, dass Townships nicht nur aus
Wellblechhütten und fehlenden Straßen bestehen, sondern hier ebenso "mittelständische "Menschen in schlichten, aber schicken Häusern leben.
Der dort herrschende Kontrast zwischen bitterarmen Menschen und doch sehr
wohlhabenden in ein und demselben Wohngebiet scheint mir immer noch unbegreiflich.
Beispielsweise parkten vor einigen Häusern schicke Autos, während auf der
anderen Straßenseite Kinder zu sehen waren, die im dort liegen Müll nach
brauchbaren Gegenständen suchten.
Zwar hat die Regierung schon begonnen, kostenlose Häuser für die Bewohner des Townships zu bauen, doch finden sich genügend Ecken ohne jedwede
Elektrizität und steinerner Wände.
Wieder zu Hause angekommen, war ich doch froh, fürs Erste hier in der Stadt
untergebracht worden zu sein und nicht wie zuerst geplant in einem der
umliegenden Townships.
Doch wurde für mich dieser Sonntag mein erster Tag, der sich richtig nach Südafrika angefühlt hat.
Gleich am Dienstag darauf sollte nun mein erster Job beginnen. Und das zu meiner großen Freude im National Zoo of Pretoria. Gemeinsam mit Pfleger Daniel konnten wir drei Freiwilligen aus Deutschland dem Arbeitsalltag im Zoo folgen und uns begeistert mit den „red pandas“ beschäftigen. Einer unsere Aufgaben bestand darin, diese zu füttern und ihr Gehege sauber zu halten. Gleiches galt für eine besonders haarige und freche Affenart und für eigenartig faule Tapire, die nur des Nachts raus zu gehen schienen um ihr fein säuberliches Gelände zu verschmutzen.
Eigentlicher Grund
unserer Arbeit als Laienpfleger war der zweiwöchige Arbeitsausfall durch einen Streik mehrerer Zooangestellter, die für Lohnerhöhungen auf die Straße
gingen. Dieser wurde jedoch passend zu unserem Arbeitsantritt eingestellt.
So durften wir trotzdem drei wunderbare Arbeitstage im größten Zoo Südafrikas verbringen und die dort lebenden Tiere hautnah erleben. Manchmal erschien es uns jedoch so, als ob wir während der Fütterungen der red pandas die Attraktion im Käfig seien, während laut singende afrikanische Schulklassen an uns vorbei gezogen sind und uns meist freudig zu winkten. Diese Art der Arbeit hat uns großes Vergnügen bereitet und am liebsten hätten wir einen der kleinen Pandas gleich adoptiert.
So ist nun meine erste Zeit fern der Heimat vergangen und ich bin gespannt wie es hier mit mir weitergehen wird.
Manche meiner Vorstellungen haben sich bewahrheitet, andere sind schon in Vergessenheit geraten. So heißt es nun viel Geduld haben und nach und nach ans Werk gehen. Den Voreiligkeit gehört nicht zu den Dingen die hier gern gesehen und verstanden werden, das bekommt man sofort mit.
Ähhh, so viele Rezepte, so viele Lebensmittel und nur noch 5 Stunden bis es losgehen soll....
Dienstag, 28.Juli 09
Es sind noch genau 21.Tage bis zu meinem Abflug und so langsam wird es Zeit, dass ich mich nicht nur gedanklich auf Südafrika vorbereite, sondern dass auch mein Bäuchlein sich an die Nahrungsumstellung gewöhnt!
Nein, dies war nicht der Hauptgrund wieso ich heute den ganzen Tag die Rührschüsseln hab schwingen lassen!
Zum Speisen habe ich mir nämlich feinste Gäste geladen. Liebe Freunde, die eine Essenseinladung wohl nie ausschlagen würden und die auch gerne bereit sind, Unbekanntes zu probieren - die Mutigsten wagten sich sogar an einen glubschäuigen Trockenfisch.
Mit diesem Abend wollte ich jedoch nicht nur meinen Gästen etwas Gutes tun, sondern auch noch auf anderem Wege Werbung für unser Projekt machen und Spender gewinnen.
Mir hat es sehr Spaß gemacht mich mal wieder intensiv auf das Kochen einzulassen, Lebensmittel zu verwenden, die in meinem alltäglichen Speisen nicht zu finden sind und mir Afrika mal richtig durch den Magen gehen zu lassen :)
Vielen Dank für diese schönen Stunden!
INJERA-FLADEN
Zutaten:
700 g Weizenmehl
300 g Maismeh
1 Hefe (1 Würfel)
1 TL Salz: 1 Teelöffel
Zubereitung:
Zubereitung des Vorteig's: Ein Tag vorher die Hefe in einer Tasse in wenig Wasser auflösen, etwas Mehl zugeben und an einem warmen Ort "gehen" lassen.
Mehl und Maismehl in eine große Schüssel geben, die aufgelöste Hefe und etwa 2 l lauwarmes Wasser hinzufügen. Durchkneten bzw. rühren, bis der Teig schön glatt ist, zudecken und an einem warmen Ort
wieder "gehen" lassen.
Wenn sich der Teig nach einigen Stunden abgesetzt hat, das Wasser abgeschöpfen. Nun gibt man 1 TL Salz und ca. 1 l gut warmes Wasser zu und rührt die Masse gut durch.
Sobald der Teig schön aufgeht, kann man 1 Schöpflöffel voll in eine heiße beschichtete Pfanne gießen (ohne Fett) und schnell durch Bewegen der Pfanne verteilen. Mit einem Deckel zudecken. Der Fladen
ist fertig, wenn er sich vom Rand löst.
Er muß viele kleine Bläschen aufweisen. Die Pfanne nach jedem Durchgang vorsichtig (heiß!) mit einem Küchentuch sauberwischen.
Fleisch, Gemüse usw. wird "auf" Injera serviert.
AVOCADOSALAT
Zutaten:
1 hartgekochtes Ei
1 rote Zwiebel
1 TL Salz
1 Zitrone, gepresst
2 EL Essig (Rotweinessig)/ muss nicht sein!
100 ml Olivenöl
4 Tomaten
½ Eisbergsalat
2 Avocados
Pfeffer, schwarz
Für Knoblauchlieberhaber: verfeinern mit 1 Zehe (gepresst) ist erlaubt.
Zubereitung:
Für die Sauce das gepellte Ei fein hacken. Zwiebel abziehen, fein würfeln. Ei, Zwiebel, Salz, 4 EL Zitronensaft und Essig verrühren. Öl unterrühren.
Für den Salat Tomaten in Scheiben, Eisbergsalat in kleine Stücke schneiden und zusammen mit den Tomatenscheiben auf einer Salatplatte anrichten.
Die Avocados längs halbieren, die Hälften gegeneinander drehen, aufklappen und den Kern herausnehmen. Dann schälen und in Streifen schneiden.
Auf dem Salat verteilen, mit Zitronensaft beträufeln, Salatsauce darüber gießen und mit schwarzem Pfeffer bestreuen.
KAROTTEN-BANANENKUCHEN
Zutaten:
Kuchen:
3 Eier
2 Teelöffel Zimt
250ml gehackte Mandeln oder Walnüsse
250ml Sonnenblumenöl
400ml Mehl
250ml Zucker
1 Teelöffel Natron
1 Teelöffel Backpulver
250ml Möhren
3 Bananen
Guß:
120ml Butter
100g Quark
300ml Puderzucker
1 Teelöffel Vanille Aroma
Zubereitung:
Eier, Zucker und Öl kräftig verrühren, anschließend Mehl, Backpulver und Natron unterrühren. Nun die Möhren raspeln, mit den Nüssen vermengen, die Bananen zerdrücken
und zusammen unter den Teig heben.
Teig in eine mittlere Springform geben und bei ca. 200 Grad eine knappe Stunde backen. Anschließend den Kuchen in der Mitte teilen.
Für den Überguß das Aroma in den Quark geben. Anschließend die Butter und den Zucker zusammenrühren und in den Quark einrühren. Davon nun ungefähr die Hälfte auf den unteren Teil des Kuchens
verteilen, dann den oberen Teil aufsetzen und mit dem restlichen Überguß bestreichen. Abschließend mit den Nüssen verziehen.
AFRIKANISCHE TOMATENSUPPE
500 g passierte Tomaten
500 g gestückelte Tomaten
1 Dose/n Kichererbsen 1
1 Paprikaschote(n), gelbe
2 Putenschnitzel
1 Zwiebel
1 TL Chilipulver
2 TL Fünf-Gewürz-Pulver
250 ml Hühnerbrühe
2 EL Rohrzucker, brauner
3 Knoblauchzehen
Salz
1Paprikaschote(n), grüne
Zubereitung:
Paprika und Zwiebel putzen bzw. schälen und anschließend würfeln. Fleisch ebenfalls in
mundgerechte Stücke schneiden. Knoblauch schälen und hacken.
Paprika- und Zwiebelwürfel mit dem Knoblauch einige Minuten in erhitztem Olivenöl anbraten, anschließend mit der Brühe ablöschen. Tomaten, Kichererbsen, Chilipulver und Fünf-Gewürz-Pulver dazugeben.
Im geschlossen Topf fünf Minuten köcheln lassen.
In der Zwischenzeit das Fleisch in einer Pfanne anbraten und mit Salz und Pfeffer würzen. Ist das Fleisch gar, die Suppe vom Herd nehmen und das Fleisch dazu geben. Mit Zucker, Salz und Pfeffer und
evtl. noch etwas Chilipulver und Fünf-Gewürz-Pulver abschmecken. Heiß servieren.
Dazu schmeckt Fladenbrot oder frisch aufgebackenes Ciabatta