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oder, wenn Jugendliche fliegen lernen
PROJEKT: GRENZGÄNGE
Wenn Jugendliche über ihre eigenen Grenzen wachsen
(Nico Schlickum)
Die Entstehung eines Sportprojektes zur Persönlichkeitsentwicklung und Prävention junger Menschen in Visconde de Mauá (BRA)
Seit August 2009 arbeiten drei Freiwillige, durch das „weltwärts“-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entsendet, in Visconde de Mauá (BRA) im Peer-Leader International Projekt des Partnerschaftsvereins Mirantao e.V.
Die Region Visconde de Mauá liegt in den Bergen der Mantiqueira im Bundesstaat Rio de Janeiro, circa eineinhalb Autostunden von der nächsten Stadt Resende entfernt. Die Region, die viele kleinere Dörfer einschließt, zählt lediglich 6000 Einwohner und lebt ausschließlich vom Wochenendtourismus und der Landwirtschaft.
In der stillen Bergregion fehlen sowohl Infrastruktur, als auch sinnvolle Freizeitbeschäftigungen für Kinder und Jugendliche. So versuchen mehrere Ehrenamtliche aus den Dörfern Möglichkeiten zu schaffen, die junge Generation in ihrer Freizeit zu beschäftigen. Es gibt eine Musikband, einen Capoeira-Lehrer, der von Dorf zu Dorf zieht um Jugendliche in dem brasilianischen Kampf-Tanz zu unterrichten und das Peer-Leader International Projekt im Colegio CEAQ, dem einzigen Colegio in der Region. In dem Projekt werden Jugendliche zu Multiplikatoren wichtiger Themen wie „Gesundheit“ und „Umwelt“ ausgebildet.
Die Erfahrung zeigt jedoch, dass sich die selben Schüler in allen Peer-Leader Gruppen wiederfinden und die absolute Mehrheit der Jugendlichen ihre Freizeit auf der Straße oder in einer der zahlreichen Bars verbringt.
Viel zu früh werden sie so mit Drogen konfrontiert. Dazu zählen der Konsum von Alkohol und Zigaretten, sowie das selbstverständliche Haschischrauchen bis hin zum Konsum von Halluzinogenen. Was sie offen von Eltern und Polizeibeamten vorgelebt bekommen und leider auch versteckt bei Lehrern stattfindet, wird ungefiltert adaptiert und hinterlässt eine perspektivlose Jugend, die von Alkoholismus, Schulabgängen und Frühschwangerschaften aus verzweifelter Suche nach Sicherheit, gekennzeichnet ist.
Diese Jugendlichen mit Gesundheits- und Umweltarbeit zu locken fällt nachvollziehbar schwer. So entstand die Idee eines Sportprojektes, in dem Kindern und Jugendlichen eine attraktivere Freizeitgestaltung geboten werden soll. Mit Sport lassen sich viele Werte und Regeln geschickt verknüpfen, wodurch das Projekt gleichzeitig Persönlichkeitsentwicklung, Prävention und Zukunftsorientierung beinhaltet.
Im Projekt, das bewusst „Grenzgänge“ genannt wurde, sollen Jugendliche mit Hilfe von Sport und Erlebnispädagogik lernen, mit der Kraft ihres eigenen Willens Grenzen zu überschreiten und vermeintlich Unmögliches zu erreichen.
DIE IDEE
Sport ist ein Weg seine individuellen Grenzen kennen und
überwinden zu lernen
Seine Grenzen zu überwinden schafft Selbstbewusstsein
Gewonnenes Selbstbewusstsein fördert die Verwirklichung von
Zukunftsplänen der Jugendlichen
Jugendliche in Mauá werden lernen mit ihrem Willen „Berge zu
versetzen“
DIE UMSETZUNG DES PROJEKTS
Phase1 - Sportunterricht
Phase 2 - Outdoor –training
Phase 3 - Evaluation/Reflexion
Phase 4 - Agulhas Negras
Phase 5 - Tandem sprung
Phase 6 - Evaluation/Reflexion
PHASE 1
ZUSÄTZLICHER SPORTUNTERRICHT
(Ab November 09)
Zusätzlicher Sportunterricht wird für alle interessierten
Schüler immer Mo + Do stattfinden.
Der Unterricht wird zum allgemeinen Sportunterricht in der
Freizeit der Schüler erteilt.
In den Unterrichtsstunden wird, individuell auf den einzelnen
Schüler abgestimmt, die Fitness aller Teilnehmer verbessert.
Der Sportunterricht wird fortlaufend bis zum Ende des Projekts
im August 2010 erteilt.
Teilnahme am zusätzlichen Sportangebot ist verpflichtend,
sonst keine Teilnahme an weiteren Phasen des Projekts.
Ausnahme: entschuldigte Abwesenheit.
Betreuung während des Unterrichtes durch Nico und
Sportlehrer vor Ort.
PHASE 2
OUTDOORTRAINING
(Ab November 09)
Während des Outdoortrainings lernen die Jugendlichen
natürliche Grenzen zu überschreiten.
Beispiele für solche Grenzüberschreitungen sind z.B.
Flussüberquerungen, Klettern etc.
Während des Outdoortrainings lernen die Jugendlichen sowohl
durch eigene Kreativität, als auch durch Hilfe der
Gemeinschaft, Probleme zu lösen und Hindernisse zu
überwinden.
Die Trainings werden sowohl das Vertrauen der Jugendlichen
in sich selbst, als auch in ihre Mitmenschen, fördern.
PHASE 3
REFLEXION
(Januar/März 2010)
Januar 2010/ Evaluation über bisherigen Fortschritt mit der Projektleitung
Die Reflexion mit den Teilnehmern wird in Form eines Zwischenseminares an einem Wochenende im März, nach Wiederaufnahme des Projekts, stattfinden.
Während des Seminars sollen die Projektteilnehmer ihre bisherigen Erlebnisse und Eindrücke verarbeiten und ihre Gedanken dazu in der Gruppe aussprechen.
Ziel ist es, die Erkenntnisse der Jugendlichen zu bündeln und festzuhalten.
Die Teilnehmer sollen verstehen lernen, dass sie durch ihren eigenen Willen vermeintlich Unmögliches erreichen können.
Dieser Schritt ist wichtig, um das Ziel des Projektes, Persönlichkeiten zu stärken und Selbstbewusstsein aufzubauen, zu fokussieren.
Während der zwei Tage werden die Jugendlichen zusätzlich Zeit bekommen um sich Gedanken um ein bestimmtes kleines Ziel in der näheren Zukunft zu machen
Gestaltung eines Holzpflocks bezogen auf das individuelle Ziel
PHASE 4
AGULHAS NEGRAS
(April 2010)
Nach dem Seminar werden die Projektteilnehmer eingeladen gemeinsam die „Agulhas Negras“ zu besteigen.
Auf fast 3000 Höhenmetern und kalten Außentemperaturen werden die Jugendlichen an ihre körperlichen Grenzen stoßen.
Bei sich werden alle Teilnehmer ihren im Seminar gestalteten Holzpflock tragen.
Am Gipfel sollen alle Teilnehmer ihre Holzpflöcke installieren.
Ziel ist es den persönlichen Zielen der Jugendlichen Nachdruck zu verleihen und sie symbolisch zu manifestieren.
Die Besteigung erfolgt freiwillig und unter professioneller Aufsicht eines Bergführers der Region
PHASE 5
TANDEM-SPRUNG
(Juli 2010)
Für alle Teilnehmer, die das Projekt bis zum Schluss begleitet und nicht vorzeitig abgebrochen haben, besteht die Möglichkeit, mit einem ausgebildeten Fluglehrer einen Paragliding-Tandem-Sprung zu absolvieren.
Das Fliegen gilt seit jeher als Akt der Überschreitung unüberwindbar scheinender Grenzen und symbolisiert somit genau das Ziel des Projektes „Grenzgänge“.
Durch das Überschreiten dieser Grenze soll den Jugendlichen das Gefühl vermittelt werden, durch eigenen Willen und Mut, durch Aktivität und Disziplin, alles erreichen zu können.
Um auch die für das Projekt wichtige Disziplin zu vermitteln, wird der Sprung ausschließlich für die Teilnehmer angeboten, die das Projekt bis zum Schluss begleitet haben.
Der Sprung erfolgt ebenfalls freiwillig und stellt eine Art Belohnung für die Arbeit im Projekt dar.
PHASE 6
EVALUATION/REFLEXION
(Juli 2010)
Die abschließende Reflexion wird ebenfalls, wie schon das Zwischenseminar, an einem Wochenende stattfinden und ist für alle Teilnehmer verpflichtend.
Während der zwei Tage soll das gesamte Projekt aufgearbeitet werden und die Entwicklung der Jugendlichen während der Dauer des Projekts im Focus stehen.
Die Jugendlichen werden dabei intensiv mit sich selbst arbeiten und eine Reflexion über ihre Empfindungen während des Projekts verfassen.
Ziel ist es den Jugendlichen die Bedeutung des Projekts und der von ihnen durchgemachten, persönlichen Entwicklung zu verdeutlichen.
Ferner wird das Seminar dazu genutzt werden, um über die weiteren Ziele der Jugendlichen zu sprechen.
Was soll im Projekt vermittelt werden?
Ich selbst kann durch
Willen
Initiative
Mut
Vertrauen
Disziplin
viel mehr erreichen, als ich es mir selbst jemals zugetraut hätte. Ich kann durch meinen eigenen Willen Grenzen überschreiten, die mir vorher unüberwindbar schienen.
Das Projekt „Grenzgänge“ ist:
¢ Sport
¢ Persönlichkeitsentwicklung
¢ Zukunftsorientierung
¢ Erziehung
¢ Prävention
Weitere Ziele des Projektes „Grenzgänge“ die angestrebt werden
Anleitung der Teilnehmer zu eigenen „Grenzgängern“
Einbringung eigener Ideen zur Fortführung des Projekts nach August 2010
Feste Integration des Projektes in die Peer-Arbeit von Brasilien