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Hier wird in Zukunft eine Sammlung von Kurzgeschichten entstehen, die über meine persönlichen Erlebnisse und Empfindungen erzählen und keinen richtigen Platz in allgemeinen Berichten finden.

 

 

 

Das Land der Früchte

 

Während meiner Zeit in Brasilien mache ich immer wieder die Erfahrung, dass aus sich aus einem Plan und einer zufälligen Idee oder einem spontanen Zufall häufig die schönsten Geschichten ergeben. So zum Beispiel wurde kürzlich der Besuch eines Obstladens zu einem erinnerungswürdigen Ereignis.

 

Ich wollte eigentlich nur auf einen Sprung in den kleinen Laden, in einer der vielen kleinen Gassen in Resende, um mir fix ein paar Bananen oder eine der saftigen grünen Kokosnüsse für unterwegs zu besorgen, als ich inmitten eines Paradieses für jeden Ernährungsberater stand. Um mich herum lagen die buntesten Früchte in verschiedensten und teils schrägen Formen, die es mir unmöglich machten mich schnell für eine der Köstlichkeiten zu entscheiden. Es ist schon ein kleiner Unterschied, ob man zu Hause mal eben in der Obstabteilung beim Rewe-Markt steht, oder in Brasilien in einer ganzen Obsthandlung.

Dank der riesigen Auswahl kam mir plötzlich eine folgenschwere Idee, die dafür sorgte, dass ich die nächsten drei Tage nur noch von Früchten leben sollte. Der Einfall: "Einmal alles, bitte" hatte zur Folge, dass ich den Laden mit vier großen Einkaufstüten mehr und lediglich 20 Euro weniger verließ. Es war ein komisches Bild, als ich das Lädchen wieder verließ, doch noch vielmehr, als ich zu Hause versuchte die verschiedenen Früchte mit dem passenden Werkzeug zu öffnen. Es war ein lustiges Unterfangen, welches es mir jetzt zumindest ermöglicht zu verstehen, was denn nun alles in einem brasilianischen Multivitaminsaft so alles drinsteckt.

 

 

 

 

Besteigung der Pedra Selada

 

Oder: wenn Wasser aufwärts fließt

 

(So. 15. Nov.2009)

 

(Fotospur unter Fotoarchiv November)

 

Während ich diese Zeilen in mein kleines Notizbüchlein schrieb, zogen grau-blaue Wolken auf - und binnen weniger Minuten versank die Szene im dichtem Nebel. Ich saß auf der Pedra Selada, dem zweithöchsten Gipfel der Region, auf 2600 Metern Höhe.

Unter mir lagen Resende auf der einen und Visconde de Mauá auf der anderen Seite. Ein paar Schwalben kreisten durch den Nebel und ließen sich nur eine Armlänge von mir entfernt, auf einem kleinen Felsvorsprung nieder.

 

 

Es war ein langer Weg bis hierher - aber alles in Ruhe und von vorne.

 

 

Mein Samstag am freien Wochenende begann gemütlich mit Kaffee in der Küche, nachdem ich mir einen Tag Laufpause gegönnt hatte, da ich meine Kräfte für die geplante Bergwanderung sparen wollte. Ein wenig Zucker in der Kaffeetasse verrührend saß ich am Küchentisch, als plötzlich mein Mitbewohner John von seiner nächtlichen Konzerttour zurückkehrte und mir berichtete, dass er nicht geschlafen habe und die Besteigung für ihn wohl ausfallen müsste.

Nicht gehen? Kam für mich irgendwie nicht wirklich in Frage und so dauerte es nur ein paar Minuten, bis ich mit gepacktem Salewa-60Liter-Rucksack an der Pforte stand und die geplante Wanderung alleine antrat. Inhalt des Rucksacks um 12:45 Uhr:

 

1 Zelt

1 Isomatte

1 Schlafsack

1 Paar Stiefel

1 Handy

1 Notizbüchlein mit Stift

4 Flaschen Wasser

5 gefüllte Hühnchen-Teigtaschen

8 Bananen

 

 

Mit beachtlichem Gewicht machte ich mich auf den Weg von Mauá nach Campo Alegre und weiter in Richtung Pedra Selada. Nach circa 15 Kilometern gelangte ich an ein kleines Holztor vor dem ein Schild installiert war, das den Eingang der Aufstiegsroute verkündete.

Pedra Selada; Höhe: 1755 Meter; Aufstiegszeit 2 Std.; Schwierigkeitsgrad: Mittel

 

Wie frech, mir ein vorzuschreiben, wie lange ich für den Aufstieg brauchen würde. Zwei Stunden, fragte ich mich – für wen gilt das?  „Die Zeit gilt es zu halbieren“, dachte ich bei mir und so schnallte ich den Rucksack ein Stückchen fester und schritt durch die Pforte auf eine noch recht breite Straße. Nach ein paar Metern ein weiteres Schild – Aufstieg: 3 r$ - weit und breit war jedoch niemand zu sehen. Nur eine winzige Hütte lag noch am Wegesrand. Davor plätscherte Wasser aus einem kleinen Hang in ein steinernes Becken. In der Hütte saß ein alter Señor dem ich von meinem Vorhaben erzähle eine Nacht oben auf dem Gipfel zu verbringen um bei Morgendämmerung ein paar Fotos zu schießen. Prompt wurden aus 3 r$ ein Preis von 10 r$ gemacht, da ihn meine Idee denken ließ, er müsse mir mehr Geld abknüpfen. Durch diesen kleinen Dämpfer, wieder einmal übers Ohr gehauen worden zu sein, ließ ich mir jedoch die Vorfreude auf mein Vorhaben nicht nehmen und folgte schnell dem jetzt deutlich schmaler werdenden Pfad, der später nur noch in eine zu erahnende Linie durch den geschlossenen Wald überging.

 

Höhenmeter um Höhenmeter legte ich in Richtung Gipfel zurück. Mit meinem sportlichen Ziel hatte ich mir einiges zugemutet und aufgeben kam nicht in Frage – ich wollte diese Herausforderung. Jeder besteigt die Pedra Selada – viele davon schaffen es sogar bis zum Gipfel und verewigen ihren Namen im dort installierten Gipfelbuch. Aber wie lange braucht man tatsächlich mit dem sportlichen Gedanken der Besteigung?

 

Ich passierte Markierung um Markierung – 500 Meter – 750 Meter – 1000 Meter ohne größere Probleme. Bei Höhenmeter 1250 ahnte ich, was auf mich zukommen würde. Meter um Meter kämpfte ich mich auf dem steilen Weg nach oben. Immer wieder tauchte der Gipfel über mir auf – und schien kein Stück näher zu kommen. Das Gewicht des Rucksacks samt Inhalt schien mit jedem Meter schwerer zu werden und der Schweiß lief mir in Bächen die Stirn herab. Ich trank während des Laufens um keine Zeit zu verlieren. Immer wieder griff ich nach hinten um aus den Seitentaschen des Rucksacks Wasserflaschen zu ziehen und einen Schluck zu nehmen oder mir ein wenig davon über das Gesicht zu gießen und wenn die Flüssigkeit, die ich auf den Lippen schmeckte wieder salzig wurde, griff ich wieder nach hinten.

 

Dann die 1750er Marke bis hierhin sollten es 2 Stunden Laufzeit sein – der Gipfel war jedoch durch den dichten Wald nicht zu sehen – aber ich wusste, dass noch ein ganzes Stück fehlte. Eine Bank verlockte zum pausieren, doch ich zog lediglich meine Uhr aus dem Rucksack um die Zeit zu checken. Eine Stunde war das Ziel – bis Höhenmeter 1755 – ich blieb mit meinen 52 Minuten noch darunter. Mit den nächsten Höhenmetern wurde der Wald immer lichter und die ersten großen nackten Felsen verkündeten, dass ich dem Gipfel doch näher kam. Kurz vor der 2000er Marke brach die Sonne durch die Baumkronen und es wurde unerträglich heiß. Von einer auf die andere Sekunde lief ich wie in Trance. Wasser nachzuschütten hatte keinen Sinn. Außerdem passierte ich kurz danach die letzte Wasserstelle um meine Flaschen aufzufüllen. Ich dachte mir nur noch: „Nico, du bringst Wasser dazu aufwärts zu fließen“. Natürlich war es nur mein Schweiß, der mittlerweile sowohl T-Shirt, als auch Hose völlig durchtränkt hatte – aber der Gedanke ließ mich lächeln…

 

Bis auf Höhenmeter 2500 quälte ich mich hoch um auf dem Pass die letzten Höhenmeter bis zum Gipfel zurückzulegen. Links von mir lag das ruhige Visconde de Mauá, rechts von mir lag in einiger Entfernung Resende. Es waren nur noch wenige Meter bis zum Gipfel und der Gedanke daran, in ein paar Minuten darauf zu stehen beflügelte mich. Dass mein Blick langsam tunnelartig wurde, nahm ich gar nicht richtig wahr. Ankommen war jetzt das Einzige was in meinem Kopf eine Rolle spielte. Endlich auf dem Gipfel stehen und den Rucksack absetzen, der mich mittlerweile zurückstolpern ließ, wenn ich ein paar Sekunden stehen blieb, nur um wieder in halbwegs normales Atmen zu kommen.

 

Dann lag er direkt vor mir. „O pico da Pedra Selada“ – der höchste Punkt des Gipfels ist nur über eine glatte, steile Felswand zu erreichen und so nahm ich noch einmal alle Kräfte zusammen und um inklusive meines Rucksacks die letzten Höhenmeter aufzusteigen.

 

Was ich dann sah, ließ mich von einer auf die andere Sekunde ruhig werden. Ich hört den Wind sanft rauschen und ein paar Schwalben kreisten um mich herum, während mir die 360° Aussicht auf die umliegenden Täler den Atem raubte. Trotz völliger Erschöpfung wurde es auf einmal alles ganz friedlich in mir. Ich setzte den Rucksack ab – zog mir das völlig durchtränkte T-Shirt und die Hose aus – und setzte mich auf den obersten Felsen des wunderschönen Plateaus und genoss den Moment. Sonnenstrahlen fielen durch ein paar Wolken am Himmel in das Tal unter mir. Kein Foto – keine Videokamera. Einfach nur die Berge und Ich – ein unbeschreibliches Gefühl zwischen Erschöpfung – Unendlichkeit und innerem Frieden. Das war mein Moment. Alles was in diesem Moment zählte war, dass ich dort auf diesem Felsen saß.

 

Es dauerte ein paar Minuten, bis ich den Blick von der unendlichen Weite wieder über das kleine Plateau schweifen lies und die kleine metallene Schatulle entdeckte, die das Gipfelbuch vor Wettereinflüssen schützte. Dort steht nun unter dem Datum vom 14. Nov. 2009 und meinem Namen eine Gesamtlaufzeit von 91 Minuten und ein paar Zeilen die versuchen auszudrücken, was ich in diesem Moment gefühlt habe. Unter allem steht der Name, des Menschen, dem ich diese meine erste wirkliche Bergbesteigung widme und der mich in meinem Handeln zurzeit stark beeinflusst und motiviert. – Danke an Joachim Franz –

 

 

Das ich später in dieser Nacht noch Besuch von ein paar Bergsportlern aus Resende und bei einem kleinen Lagerfeuer Nudeln und Mangosaft angeboten bekommen sollte, wusste ich in diesem Moment noch nicht. Aber es sollte eine unvergessliche Nacht werden  - in einem kleinen Zelt auf 2600 Höhenmetern die am nächsten Morgen nach einem unbeschreiblich schönen Sonnenaufgang nur noch von einem Tandem-Gleitschirmsprung von einer etwas tiefer gelegeneren Basis abgerundet werden sollte.

 

 

Laufen in Begleitung

Oder: ich möchte so gern - ein Hündchen sein

(Fr. 06.Nov.2009)

 

Es ist noch nicht lange her, dass ich mich dazu entschlossen habe morgens regelmäßig laufen zu gehen. Ich stehe morgens um 07:30 Uhr auf, ziehe mir meine  neuen Laufschuhe an – und laufe los. So geht es nun allmorgendlich von Mauá aus, durch die Berge bis zur 1400 Meter Marke. Da Mauá im Tal liegt und so bis zum Gipfel  einige Höhenmeter zusammenkommen ist es ehrlich gesagt noch eine ziemliche Quälerei, aber es macht unendlich viel Spaß und die Aussicht, die ich so jeden Morgen genieße ist einfach einmalig.

Da ich normalerweise alleine Laufe und die Aussichten auf Begleitung eher schlecht stehen, angesichts der Kommentare, die ich für mein neues Hobby erhalte, habe ich mich heute das erste Mal über Begleitung freuen dürfen. Kurz nachdem ich die Pforte unseres Hauses hinter mir zuzog, folgte mir mein „adoptierter“ Straßenhund. Erst dachte ich er würde nur wieder ein paar Meter hinter mir herlaufen um sich dann wieder umzudrehen und im Dorf zu bleiben – doch ich irrte mich. Den ganzen Weg über, folgte er mir Tritt auf Schritt. Leider musste ich mir irgendwann eingestehen, dass vier Beine eindeutig leichtfüßiger und eleganter laufen, als zwei – doch als mein treuer Gefährte dann kurz vor dem Gipfel auch noch zum Sprint ansetzte um einem Vogel hinterher zu jagen, fühlte ich mich wirklich denunziert und wünschte mir nichts sehnlicher als selber so problemlos Kilometer für Kilometer herunterzureißen.   

Auch schien Tinho, so heißt der Gute, oben am Gipfel überhaupt keine Pause einlegen zu wollen. Er lief also weiter auf der Straße in Richtung Resende – bis ich ihn zurückpfiff und versuchte zu erklären, dass das für mich noch nicht in Frage kommt. NOCH!

Den ganzen Weg bergab fragte ich mich, ob ich nicht versuchen sollte, selber nach Resende zu laufen. In Gedanken versunken merkte ich überhaupt nicht, wie schnell ich geworden war und ich verlangsamte meinen Schritt um nicht außer Atem zu kommen. Zufrieden und mit neuer Bestzeit kam ich wieder zu Hause an und diesmal sogar mit Vorsprung vor meiner Begleitung – die hatte anscheinend die Motivation am Rennen verloren, lies sich ein paar Meter zurückfallen – und trottete die letzten Meter gemütlich bis nach Hause.

Auch wenn ich neidisch auf meine Begleitung war und sie mich wirklich alt aussehen lassen hat – war ich froh heute einmal nicht alleine laufen zu müssen – und noch dazu hat mich der aktive Kerl auf eine klasse Idee gebracht…

 

 

 

Aktuelles

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Montag, 08. März 2010


Brasilien:



-Quartalsbericht Nr.2

(Bericht von Nico online)


- Kochbuch international

DA GEHT WAS...

(Bericht von Nico online)


Nico Schlickum


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Samstag: 7. Dezember 09


Südafrika:


Neuer Bericht und Bilder von Nadia

 

 

 


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