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Ein Schritt in die Fremde – Für einen Weg in Gemeinschaft. Mit diesem Motto habe ich bis Juli 2009 unter meinem Namen Spender und Förderer zu einer finanziellen Unterstützung meiner Entsendeorganisation überzeugt. Ein halbes Jahr später stehe ich an einem Punkt an dem ich mich frage was eine Gemeinschaft bedeutet.
Das erste Quartal meines Freiwilligendienstes war geprägt von Fehlern in der Kommunikation und Organisation, von Konfusion und einer Menge Sprachunterricht um all diese Dinge um mich herum zu verstehen. Nachdem ich den ersten Quartalsbericht im Oktober vergangenen Jahres mit einem hoffnungsvollen Satz beenden konnte, stelle ich mir nun drei Monate später die Frage, was aus meinen Erwartungen geworden ist. Hat sich etwas bewegt? Ist das Projekt nach vorne gekommen? Sind meine Erwartungen erfüllt worden? Wie hat sich mein eigenes Projekt entwickelt?
Sicherlich hat sich etwas bewegt. Meine Sprachkenntnisse haben sich enorm verbessert und ich konnte meine Gedanken endlich auch auf Portugiesisch vortragen. Die Love-Life Gruppe hat einen starken Zuwachs erlebt, ein nachwirkendes Treffen mit einem HIV-Patienten gehabt und einen interessanten Workshop mit lokalen Gesundheitseinrichtungen initiiert. Aus zwei mehr oder weniger funktionierenden Arbeitsgruppen des Peer-Leader Projektes in Mauá haben die Kinder und Jugendlichen eine Vielzahl von neuen Themengruppen geschaffen und auch in Südafrika können Jugendliche nach dem verspäteten Projektstart im November dem nächsten internationalen Seminar in Deutschland entgegenfiebern.
Doch wie erfolgreich waren die neuen Schritte wirklich? In wie weit hat sich die während des Projekttreffens im Oktober so kritisierte Kommunikation der drei Partnerländer verbessert? Hat eine wirkliche Zusammenarbeit mit den südafrikanischen und deutschen Jugendlichen stattgefunden? Und wie haben sich die neuentstandenen Gruppen entwickelt?
Die neu entstandenen Themengruppen arbeiten teils unstrukturiert und ohne Kommunikation mit den Partnergruppen in Südafrika und Deutschland. Eine verbesserte Kommunikation lässt sich nur schwer erkennen. Immer noch gibt es keinen geregelten Austausch der Arbeitsgruppen und der Focus wird beinahe ausschließlich auf die Arbeit der Globo-Scouts gerichtet. Dadurch entsteht der Eindruck, dass das Jugendprojekt Peer-Leader International eher von den Reisen ins Ausland zu Projekttreffen lebt, als vom gemeinsamen Erarbeiten und Zusammenarbeiten der Arbeitsgruppen in den drei Ländern.
Wie steht es denn um die Peer-Leader Idee? Was ist aus dem Gedanken geworden Jugendliche zu Multiplikatoren auszubilden und diese in der Gesellschaft gezielt einzusetzen? Um dieser Idee wieder näher zu kommen und die strukturellen Probleme in Brasilien/ Mauá aufzugreifen hatte ich bereits im Oktober mein neues Projekt „Grenzgänge“ geschrieben. Das Projekt „Grenzgänge“, in dem Jugendliche durch sportliche Grenzgänge und Erlebnispädagogik zu Multiplikatoren in der Drogenprävention, Persönlichkeitsentwicklung und Zukunftsorientierung angeleitet werden sollten, wurde damals sowohl von brasilianischer, als auch von deutscher Seite abgesegnet.
Kurz nach Abreise der internationalen Gäste sollte die konkrete Planung und Strukturierung des Projektes starten, doch stattdessen wurde mir mitgeteilt, dass ich die Zustimmung der Schulleitung des Colégios in Mauá benötige, ohne die ich mein Projekt nicht starten könne. Zwar wurde mir dort zugesagt, dass mir um das Projekt versicherungstechnisch abzusichern ein Sportlehrer gestellt würde, welcher mein Projekt begleiten solle, doch wurden die entsprechenden Personen bis zum letzten Schultag nicht einmal darauf angesprochen, geschweige denn zu einem ebenfalls versprochenen Organisationstreffen eingeladen. Zudem erhielt ich die Nachricht aus Deutschland, dass seitens meiner Entsendeorganisation VNB Stichtermine für Anträge auf Begleitmaßnahmen nicht eingehalten wurden und somit eine Finanzierung meines Projektes seitens des Bundesministeriums nicht mehr möglich sei. Private Sponsoren müssten her.
Um einige dieser Angelegenheiten zu klären und um Unterstützung durch meinen Nordpartner und die Entsendeorganisation zu erbitten, reiste ich im Dezember 09 auf private Kosten nach Deutschland.
In Gesprächen mit der Projektleitung wurde mir ans Herz gelegt, die Situation im Projekt vor Ort zu akzeptieren. Weiterhin wurde mir meine Funktion im Peer-Leader Projekt als „Besucher“ neudefiniert, aus der heraus ich das Projekt und seine Fehler nicht „umkrempeln“ solle. Meine aktive Art und Bestrebungen das Projekt voranzutreiben wären zudem bereits als „arrogant“ und „eingebildet“ empfunden worden. In wie weit muss ich mir selbst diesen Fehler eingestehen, frage ich mich? Habe ich zu viel erwartet? Bin ich mit meinen Vorstellungen über die Idee des Projektes hinausgeschossen? Was darf ich erwarten von einem trinationalen Projekt, welches mehrfach als UN-Dekade Projekt ausgezeichnet wurde? Was darf ich mir erhoffen aus Vorbereitungsseminaren, in denen mir durch zahlreiche Präsentationen die Vielfältigkeit des Projektes und meine Einsatzmöglichkeiten vorgestellt wurden. Bin ich mit meinen Ansprüchen zu weit gegangen? Zumindest scheint dies die Projektleitung so zu empfinden, da ich jetzt darum gebeten wurde die Situation zu akzeptieren anstatt diese zu verändern. Ich solle es hinnehmen, dass die drei Partnerländer im Grunde genommen nicht zusammenarbeiten. Dass Unterstützung meinerseits nicht angenommen wird, solle ich als „Erfahrung“ verbuchen. Auf meine Anmerkung hin, dass mein Freiwilligendienst vertraglich geregelt eine 40-Stunden Woche beinhaltet, wurde ich durch die Projektleitung und Entsendeorganisation beruhigt, meine bloße Anwesenheit sei als Arbeitszeit zu werten.
Welche Konsequenz ziehe ich aus diesen Entwicklungen? Ich werde mich auf die Arbeit der Love-Life Gruppe konzentrieren und mit den in dieser Gruppe stark engagierten Jugendlichen weiterarbeiten.
Die Arbeit der Gesundheitsgruppe Love-Life vor Ort ist sinnvoll und wichtig. Meine volle Unterstützung und der Einsatz in der Gruppe steht für mich außer Frage. Das Projekt „Grenzgänge“ wird nicht mehr stattfinden. Das Projekt basiert auf einem Entwicklungsgedanken von Jugendlichen, der in einem Zeitraum von 5 Monaten (der durch angeblich zwingende Seminartage noch unterbrochen wird,) nicht realisiert werden kann.
Weiterhin versuche ich die Kommunikation mit interessierten Gruppen aus Deutschland und Südafrika weiterzuführen, um eventuelle gemeinsame Ideen doch noch zu realisieren. In Brasilien beginnt ein neues Schuljahr und die Planungen für 2010 sind in vollem Gang. Wenn eine gemeinschaftliche Projekterarbeitung während der Dauer meines Freiwilligenjahres noch erfolgen soll, muss JETZT der Startschuss erfolgen.
…Für einen Weg in Gemeinschaft…. Jetzt ist es an der Zeit zu zeigen wie groß dieses Wort in einem trinationalen, von der UN prämierten Dekadeprojekt wirklich geschrieben wird.
Peer-Leader Wochenende
(07. – 08. November 2009)
Wie geht es weiter mit unserem Projekt?
Der internationale Besuch aus Deutschland und Südafrika ist abgereist. Man hat sich ausgetauscht, Neues gelernt und viele Ideen im Kopf. Diese galt es am Wochenende zu strukturieren um daraus konkrete Arbeitspläne für 2010 zu formulieren.
Ziel war es jedoch nicht nur neue Arbeitsaufträge für die Zukunft zu formulieren, sondern vor allem auch ein neues Gruppengefühl zu schaffen, da das Projekt, nicht zuletzt durch den starken Zuwachs in der Gesundheitsgruppe „Love Life“, glücklicherweise viele neue Gesichter hinzugewonnen hat. Es war nötig, diese so schnell und intensiv wie möglich in die Gemeinschaft der Peer-Leader mit aufzunehmen um frühzeitig zu verhindern, dass sich innerhalb des Projektes Kleingruppen bilden.
Dazu sind wir mit der gesamten Peer-Gruppe, die knapp 50 Teilnehmer umfasst, für ein Wochenende in ein abgelegenes Pfarrhaus gefahren um in Ruhe zu evaluieren, zu planen und uns neu kennen zu lernen.
Während der erste Tag vor allem mit der Planung 2010 ausgefüllt war, wurde der Focus am zweiten Tag auf das Profil >Peer-Leader< gerichtet.
Um als Multiplikator von Themen wie HIV/AIDS - Drogenprävention – Umweltschutz - fungieren zu können, wird von den Jugendlichen ein extrem vorbildlicher Charakter gefordert. Die wichtigsten Eigenschaften, die ein Peer-Leader erlernen soll sind:
- Kommunikation
- Kontinuität
- Verbindlichkeit
- Kreativität
- Vertrauen
- Fleiß
Wie aber vermittelt man diese Werte einem Kind / Jugendlichen? Es sind große Worte, die man durch andere Worte nur schwer vermitteln kann. Vielmehr erkennt man in Alltagssituationen wie wichtig diese Eigenschaften für das Funktionieren einer Gruppe sind.
Sicherlich kennen viele die Geschichte von „Manny dem Mammut“, das mit dem Tiger „Diego“ und einem Faultier namens „Sid“ viele gemeinsame Abenteuer bestreitet. Es mag seltsam klingen doch gerade in dem letzten Teil der „ICE AGE“ -Filmtrilogie lassen sich unglaublich viele dieser Werte und Eigenschaften wiederfinden. So sahen wir gemeinsam die Geschichte dieser ungewöhnlichen Gemeinschaft und erarbeiteten in einer anschließenden Gruppenarbeit die Verknüpfung des Filmes mit unserer Arbeit im Peer-Leader Projekt.
Peer-Leader, das sind junge Menschen die voranschreiten – die andere Jugendliche ansprechen, aufmerksam machen und mit Mut und Fleiß eine Arbeit leisten, die etwas verändert. Nicht nur für andere Jugendliche, sondern vor allem auch für sie selbst. Das Peer-Leader Projekt unterstützt die positive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und lässt sie sich zu Persönlichkeiten entwickeln, die mit Mut und Zuversicht in die Zukunft schauen und dabei andere Gleichaltrige mitreißen.
Nicht umsonst sind beim Aussprechen dieser ehrlichen Worte viele Tränen geflossen, die ausdrücken, wie schön es ist, diese Entwicklung bei Kindern zu sehen und das unser Projekt tatsächlich an der richtigen Stelle sitzt.
So standen am Ende junge und alte Peers zusammen vor einem neuen Projektplan für das kommende Jahr 2010, den sie mit viel positiver Energie und einem starken Gemeinschaftsgefühl verfolgen werden.
Die neuen und alten Arbeitsgruppen im Peer-Leader Int. Projekt in Brasilien/ Mauá sind:
1) Love Life Aufklärungsarbeit über HIV/AIDS
2) GAIA Umweltarbeit in der Region und
Gewächshausarbeit in der Schule
3) Globo-Scouts Aufklärungsarbeit über Brasilien
4) Diversidade Cultural Tanz, Theater & Musik als
Weltsprachen
5) Multimídia Erstellung einer Homepage für int.
Kommunikation zwischen den
Ländern
6) Culinária Erstellung eines trinationalen
Kochbuches
7) Artes plásticos Künstlerische Darstellung und
Veröffentlichung der Peer-Arbeit
8) Debates Debattierclub und Rethoriktraining
9) Caso-Limite Sport als Mittel zur
Persönlichkeitsentwicklung und
Prävention
Ich selber betreue nun die Gruppen: Love Life; Globo-Scouts; Culinária und mein eigenes Projekt Caso-Limite. Dadurch hat sich nach langem Pendeln nun ein Alltag eingespielt, der mir unendlich viel Spaß macht, der mir Kraft gibt und auf den ich mich so unglaublich lange gefreut habe.